VORSTANDSBERICHT - Tätigkeitsbericht 2018
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VORSTANDSBERICHT

Von Stefan Kiefer

Freiheit, Gleichheit und Solidarität – das sind die Grundwerte unseres Landes. Natürlich gibt es weitere Parameter, die uns wichtig sind: Moral, Sicherheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit. Aber es sind die drei zuerst genannten Prinzipien, die unsere Gesellschaft und unsere Demokratie prägen. Das war nicht immer so, und es ist auch heute noch nicht selbstverständlich. Ein Blick in andere – auch westliche – Länder genügt, um sich dessen bewusst zu werden. Das sagt uns zweierlei: Einerseits können wir uns glücklich schätzen, dass Deutschland unsere Heimat ist. Andererseits müssen wir diese Werte stets aufs Neue pflegen und verteidigen. Das erfordert Eigeninitiative und Engagement.

Mit Herz und Verstand

Die DFL Stiftung hat auch im Geschäftsjahr 2017/18 beides gelebt – durch eine klare öffentliche Haltung und durch die Förderung von 85 Projekten. Beides ist wichtig und entspricht dem, was wir als Stiftung des deutschen Profifußballs leisten können, wollen und müssen. Wir nutzen die Popularität der Bundesliga und der 2. Bundesliga, um auf wichtige gesellschaftspolitische Themen aufmerksam zu machen, und wir packen konkret dort an, wo Menschen vor Ort unsere Unterstützung und Hilfe benötigen. All dies geschieht mit Herz und Verstand im Rahmen unserer drei Handlungsfelder: „Gesundes und aktives Aufwachsen“, „Spitzensport“ sowie „Integration und Teilhabe“.

Für ein friedliches Miteinander

Der Fokus lag im zurückliegenden Stiftungsjahr 2017/18 auf letzterem. Dies ist eine Reaktion auf die erstarkten Spaltkräfte innerhalb unserer Gesellschaft. Rund 2,8 Millionen Euro, mutige Ideen und leidenschaftliches Engagement haben wir ihnen entgegengesetzt. Im Zentrum stand unsere Initiative „Strich durch Vorurteile“. Der Grundgedanke dahinter war simpel: Wir wollten die Identifikationskraft, Vorbildfunktion und Reichweite der 36 Proficlubs und ihrer Protagonisten nutzen, um etwas in den Köpfen der Menschen positiv zu verändern. Gemeinsam mit den Clubs der Bundesliga und der 2. Bundesliga haben wir ein starkes Zeichen gegen Diskriminierung jeder Art gesetzt – für ein friedliches gesellschaftliches Miteinander. Dieses kann es nur geben, wenn wir drei Grundwerte zur Maxime machen: Freiheit, Gleichheit und Solidarität.

HALTUNG: Mit dem Appell "Strich durch Vorurteile" setzte der gesamte deutsche Profifußball ein Zeichen für ein friedliches gesellschaftliches Miteinander. Zu diesem Zweck wurden in allen Stadien Fotoboards und weitere Materialien genutzt.

Die Botschaft „Strich durch Vorurteile“ steht für jeden einzelnen von ihnen und wurde auf Initiative der DFL Stiftung zum Motto des 27. Spieltages der Saison 2017/18. Durch die Zusammenarbeit mit allen Clubs und reichweitenstarke TV-Spots konnten wir mit unserer Botschaft Millionen Menschen erreichen. Auch wenn dieser Appell nicht zu jedem durchgedrungen sein sollte, hat er doch unmissverständlich deutlich gemacht, für welche Werte DFL, DFL Stiftung, Bundesliga und 2. Bundesliga stehen.

Wir können noch so engagiert sein, ohne starke Partner geht es nicht. Wir bedanken uns bei Kevin-Prince Boateng, bei unseren Paten Manuel Neuer und Naldo ebenso wie bei unseren Kuratoren Marcel Reif und Wolfgang Niedecken für ihre Unterstützung. Unsere Kampagne „Strich durch Vorurteile“ konnte auch deshalb zu so vielen Menschen vordringen, weil sich die Medienpartner der DFL – Sky, ARD, ZDF, Eurosport, DAZN, Sport1 und NITRO – damit identifizieren konnten. Auch für ihren Beitrag sind wir sehr dankbar.

Grundlegende Verantwortung

Wenn wir auf helfende Hände statt geschlossene Türen treffen, macht gesellschaftliches Engagement gleich noch einmal doppelt so viel Freude. Viel wichtiger ist aber: Es erzielt dadurch eine noch größere Wirkung.

Sich mit der Effektivität des eigenen Engagements zu beschäftigen, gehört zur grundlegenden Verantwortung einer Stiftung, die mit gemeinnützigen Mitteln agiert. Dazu zählt auch der Ausbau unseres Berichtswesens. Es versetzt uns in die Lage, unsere Projekte künftig noch besser steuern und weiterentwickeln zu können. Und wir helfen dabei auch anderen, wie zum Beispiel 36 Projekten aus dem Umfeld der Proficlubs. Im Rahmen von „Strich durch Vorurteile“ fördern wir deren Vernetzung, Qualität und Kommunikationsfähigkeit. So können sich auch diese Partner in Zukunft noch effektiver für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft einsetzen.

Symbolträchtige Kampagnen ohne konkrete Projektförderung waren noch nie unser Stil. Sie werden es auch weiterhin nicht sein. Ein faires gesellschaftliches Miteinander liegt im Interesse von uns allen. Es liegt im Interesse unseres Landes. Mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie dem gemeinnützigen Analyse- und Beratungshaus PHINEO haben wir im Sommer 2018 eine Ausschreibung gestartet. Ziel ist es, weitere förderungswürdige Projekte zu identifizieren, die sich für den sozialen und gesellschaftlichen Zusammenhalt einsetzen. Dieses Thema liegt uns am Herzen. Jene, die kitten und die sich für ein gutes Miteinander stark machen, benötigen mehr Unterstützung – von uns, aber auch von allen anderen Teilen der Gesellschaft.

Engagement für Geflüchtete

Einen wichtigen Beitrag leistet seit drei Jahren unser Leuchtturmprojekt „Willkommen im Fußball“. Es führt junge Geflüchtete durch Fußball-, Sprach- und Qualifizierungsangebote näher an die Gesellschaft heran. 3.500 junge Menschen mit teilweise dramatischer Zuwanderungsgeschichte konnten wir im zurückliegenden Geschäftsjahr unterstützen. Ihre Integration in den Arbeitsmarkt und das Ehrenamt standen dabei im Fokus. Auch geflüchtete Mädchen und junge Frauen haben wir zunehmend ins Blickfeld genommen. In vielen anderen Integrationsprojekten ist dies leider selten der Fall. Wir wollen auch in dieser Hinsicht anders sein und eine Vorreiterrolle übernehmen.

Exemplarisch für die jungen Menschen, die wir mit „Willkommen im Fußball“ erreichen, ist die bewegende Geschichte von Hisham Jameel. Hier erfahren Sie, wie Hisham aus Mossul floh, sieben Länder durchquerte und schließlich in Darmstadt eine neue Heimat fand. Wenn wir einen Beitrag dazu leisten können, dass die Angst und Strapazen einer Flucht schließlich in einer Ausbildungsstelle münden, motiviert uns das, am Ball zu bleiben und uns weiterhin mit Empathie und Nachdruck für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte einzusetzen.

Identifikation mit gesellschaftlichen Grundwerten

Nicht nur im Hinblick auf Geflüchtete gilt: Es ist wichtig, zu fördern, aber auch zu fordern. Das betrifft insbesondere die Identifikation mit unseren gesellschaftlichen Grundwerten. Wer diese leben soll und will, muss sie zunächst einmal kennen. Bei „Lernort Stadion“ steht die Vermittlung politischer Bildung und die Stärkung sozialer Kompetenzen im Vordergrund. Die besondere Atmosphäre von Fußballstadien, die die Kulisse für dieses Projekt bildet, hilft dabei. Dieses Konzept hat auch das Zentrum für inklusive politische Bildung überzeugt. Im Rahmen einer wissenschaftlichen Begleitung hat es wichtige Erkenntnisse gesammelt, über die Sie hier eine Auskunft erhalten. Im Geschäftsjahr 2017/18 haben wir das Projekt weiter ausgebaut – finanziell und auch in der Fläche. An 17 statt zuvor zwölf Standorten unterstützen wir nun rund 9.000 Jugendliche. Tendenz steigend.

Fußball und Förderunterricht

Auch „Fußball trifft Kultur“ bieten wir an mehr Standorten als noch im Geschäftsjahr zuvor an. Ihre Zahl ist von 13 auf 15 gewachsen. Und auch im Rahmen dieses Projektes spielen Werte eine besondere Rolle. Darauf hat unser langjähriger Partner LitCam, eine gemeinnützige Tochter der Frankfurter Buchmesse, ein stetes Augenmerk. Das Konzept sieht eine Halbzeit Fußball und eine Halbzeit Förderunterricht vor. Das eine gibt es für die Schülerinnen und Schüler nicht ohne das andere. Eindrücklich wird der Projektansatz anhand eines Beispiels. Die tolle Entwicklung des kleinen Efe Öztas ist ein solches. Wie er „Fußball trifft Kultur“ erlebt und welche Perspektiven er inzwischen hat, lesen Sie hier.

Menschen stehen im Zentrum unseres Engagements

Egal was wir tun und wie wir es tun – stets stehen Menschen im Zentrum unseres Engagements. Jeder von ihnen ist anders, hat seine eigene Geschichte und seine eigenen Bedürfnisse. Jemand, der darauf in besonderem Maße einzugehen vermag, ist Michael Mildenberger. „Charly“ nennen ihn liebevoll alle, die ihn näher kennen. Im Stadion der TSG Hoffenheim sind das nicht wenige. Michael Mildenberger ist der Behindertenfanbeauftragte des Clubs. Wir haben ihn einen Tag lang begleitet, damit auch Sie ihn kennenlernen können. Wenn Sie seine Geschichte gelesen haben, stimmen Sie mir sicher zu: Wenn es „Charly“ nicht gäbe, müsste man ihn erfinden.

Menschen stehen im Zentrum unseres Engagements. Jeder ist anders, hat seine eigene Geschichte und seine eigenen Bedürfnisse.

Es ist beeindruckend, mit welcher Hingabe, Herzenswärme und Leidenschaft sich Michael Mildenberger und seine Kolleginnen und Kollegen an den 36 Standorten der Bundesliga und der 2. Bundesliga um Fans mit Behinderung kümmern. Unser Bundesliga-Reiseführer „Barrierefrei ins Stadion“ leistet ebenfalls einen Beitrag. Unter www.barrierefrei-ins-stadion.de bringt er Fans und Behindertenfanbeauftragte in Kontakt und hält zahlreiche Informationen bereit – angefangen von der An- und Abreise bis hin zur Lage der Rollstuhl- und Sehbehindertenplätze. Auch die Empfehlung einer stufenfreien Kneipe für das Siegergetränk nach dem Spiel finden Sie hier.

Solidarität mit der deutschen Sportfamilie

Wer für eine Stiftung des Profifußballs arbeitet, ist auch begeisterter Sportler. Das gilt für alle Mitarbeitenden der DFL Stiftung gleichermaßen. Ein Geschäftsjahr ohne sportliche Erfolge wäre für sie ebenso undenkbar wie für den Vorstand, den Stiftungsrat oder das Kuratorium, dem viele ehemalige Spitzensportlerinnen und -sportler angehören. Umso glücklicher waren wir angesichts der vielen siegreichen deutschen Athletinnen und Athleten im zurückliegenden Geschäftsjahr. 250 von ihnen unterstützten wir im Rahmen der Nachwuchselite-Förderung der Stiftung Deutsche Sporthilfe. Denn Solidarität leben wir nicht nur im Rahmen unserer Projekte für eine gesunde und aktive Kindheit oder Integration und Teilhabe. Solidarität leben wir seit vielen Jahren auch innerhalb der deutschen Sportfamilie. Ein Engagement, das immer mehr zu einer Erfolgsgeschichte wird.

ERFOLGSFIGUR: Mit einem TV-Spot und finanzieller Unterstützung begleitete die DFL Stiftung Gina Lückenkemper und 249 weitere Talente verschiedener Sportarten auf dem Weg zur Leichtathletik-EM und anderen Wettkämpfen.

Die von der DFL Stiftung unterstützten olympischen und paralympischen Talente zeichneten bei den Winterspielen in Pyeongchang für satte 40 Prozent der deutschen Medaillen verantwortlich. Dass Deutschlands schnellste Sprinterin nicht dazu beitrug, liegt nicht an schlechten Leistungen, sondern an der von ihr betriebenen Sommersportart. Im aktuellen TV-Spot der DFL Stiftung kam ihr dennoch die Hauptrolle zu. Der Spot verhilft Talenten der Nachwuchselite-Förderung der Sporthilfe zu mehr Aufmerksamkeit. Auch mit ihnen fühlen wir uns durch gemeinsame Werte verbunden.

Freiheit, Gleichheit und Solidarität ziehen sich wie ein roter Faden durch das Engagement der DFL Stiftung

Das gilt auch für die Mitglieder unseres Stiftungsrates und unseres Kuratoriums. Für ihre Unterstützung im zurückliegenden Geschäftsjahr sind wir sehr dankbar. Und auch über vier Neuzugänge durften wir uns freuen: Seit dem Supercup im August 2017 verstärken Dunja Hayali, Magdalena Neuner, Marcel Reif und Christian Wulff das Kuratorium. Leider ist auch ein Kurator von uns gegangen, der die DFL Stiftung mit guten Ideen und viel Herzblut mitgeprägt hat – als Kurator und als ehemaliger Vorstand. Tom Bender ist am 10. August 2018 im Alter von nur 52 Jahren viel zu jung verstorben. Wir vermissen ihn schmerzlich!

VERSTÄRKUNG: Seit August 2017 unterstützen Marcel Reif, Dunja Hayali, Magdalena Neuner und Christian Wulff das Kuratorium der DFL Stiftung (v.l.).

Freiheit, Gleichheit und Solidarität ziehen sich wie ein roter Faden durch das gesamte Engagement der DFL Stiftung. Sie sind Basis und Anspruch zugleich. Dass unser Streben, ihnen noch besser gerecht zu werden, auch im Geschäftsjahr 2017/18 erfolgreich war, liegt insbesondere an der unvermindert großen finanziellen und partnerschaftlichen Unterstützung der DFL-Gruppe. In Zahlen drückt sich dies wie folgt aus: Rund drei Viertel unserer Mittel stammen aus Spenden der DFL-Gruppe. Dank dieser Zuwendungen konnten wir unseren Fördereinsatz im Vergleich zum Vorjahr um rund 28 Prozent auf über 4,8 Millionen Euro steigern.

Die DFL Stiftung ist anders, und sie möchte es bleiben. Erst kommt der Mensch und dann die Zahl.

Es mag ungewöhnlich sein, diese Kennzahlen an das Ende eines Vorstandsberichtes zu stellen, umso mehr angesichts des positiven Gesamtbildes, das sie zeichnen. Aber wir sind auch keine gewöhnliche Stiftung. Das betrifft unsere Finanzierung, die dank der DFL unabhängig ist vom Zinsniveau und Gemütszustand der Kapitalmärkte, und es betrifft nicht zuletzt auch unseren Wesenskern als Stiftung des Profifußballs. Eine Stiftung, die es so in den anderen großen Fußballligen nicht gibt und die sich nicht nur zu unseren demokratischen Grundwerten bekennt, sondern diese auch aktiv pflegt und verteidigt. Für uns kommt erst der Mensch und dann die Zahl. Die DFL Stiftung ist anders, und sie möchte es im Sinne unserer Gesellschaft auch bleiben.

KONTINUITÄT: Seit 2014 führen Stefan Kiefer (Vorstandsvorsitzender) und Jörg Degenhart (Vorstand) die DFL Stiftung (v.r.).

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